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Walter Bisig – Präsident Gebäudehülle Schweiz

Wie setzen Sie sich als Präsident von Gebäudehülle Schweiz für die energetische Sanierung ein?

Im Vorstand obliegt mir die Entwicklung unserer Strategie, ganz im Sinne der Energiestrategie 2050 des Bundes. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Bildungsangebote sowie der technischen Grundlagen für unsere Mitglieder im Zusammenhang mit energetischer Erneuerung.

Was sind aus ihrer Sicht die Stärken des Steildachs?

Das Steildach ist eine Dachform, die sich ausgezeichnet eignet, um Photovoltaik und thermische Energieträger einzubauen. Mit neuen technischen und architektonischen Elementen setzen wir die moderne Architektur im Gebäudepark Schweiz um.

In was für einem Haus möchten Sie wohnen?

In einem Haus, das thermisch den heutigen Anforderungen Rechnung trägt. Speziell denke ich da an eine sehr gute Isolation der gesamten Gebäudehülle, da sich diese 1:1 auf den Wohnkomfort und auf die Nebenkosten auswirkt.

Was sind die wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Bauprojekt?

Ich beschränke mich in meiner Aussage auf den Bereich der Gebäudehülle. Für ein Bauprojekt entscheidend sind zum einen die gelungene Gestaltung und Ästhetik. Darüber hinaus geht es um die Gewissheit, ein Gebäude zu haben, das sowohl funktional wie auch wirtschaftlich den heutigen Ansprüchen entspricht. Dazu gehört auch der Einbezug der näheren Umgebung, in der das Gebäude steht.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Unternehmer unserer Branche erkennen, wie gross die wirtschaftliche Chance ist, die wir im Bereich der energetischen Investition umsetzen können. Mit der Bereitstellung von Informationen und Kommunikationsmitteln wollen wir unsere Mitglieder ansprechen und unterstützen. Darüber hinaus sind wir bestrebt, den Kontakt zu den verschiedenen Entscheidungsträgern in der Politik sowie zu Interessensverbänden auszubauen und zu fördern. Mit unserem Tun und Wirken haben wir die Möglichkeit, einen wesentlichen Beitrag zur Energiestrategie 2050 zu leisten.

Info

Gebäudehülle Schweiz
Hauptsitz: Lindenstrasse 4, 9240 Uzwil

www.gebäudehülle.swiss
Fotoaufnahmen © ziegelindustrie.ch

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Oliver Imholz – Architekt

Warum sind Sie Architekt geworden?

Räume, Farbe und Licht inspirieren mich seit je her. Geprägt durch den Holzbau fand ich in der Architektur das richtige Medium, um meine Passion für Design mit der Schaffung von Räumen zu verbinden.

Welches Backsteingebäude beeindruckt Sie am meisten?

Louis Kahn’s Indian «Institute of Management» in Ahmedabad, Indien. Nebst der enormen Grösse beeindrucken mich die anmutenden Räume, die Rohheit und Monotonie des Baustoffes, sowie das Spiel mit dem Licht. Einen Baustoff in seiner absoluten Form zu verwenden, bedeutet seine Beschaffenheit zu kennen und zu verstehen.

In was für einem Haus würden Sie gerne wohnen?

In einem Haus kombiniert aus Holz- und Lehmbauweise. Mich fasziniert die nachhaltige Verwendung von einheimischen Baustoffen und das Klima, das in diesen Räumen entsteht.

Was sind die wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Bauprojekt?

Ein Bauwerk setzt sich aus vielen einzelnen Komponenten zusammen, daher sind der gegenseitige Austausch und die konstruktive Zusammenarbeit von Bauherrschaft, Planer, Behörden und Fachstellen bei einem Bauvorhaben die essenziellen Bestandteile für ein gutes Gelingen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Architektur?

Architektur ist der Raum in und zwischen den Bauten, welche unseren Alltag umgeben. Die Kunst der Architektur liegt darin, das raumbildende Konstrukt bedürfnisorientiert, nachhaltig und adäquat zu gestalten. Das möchte ich in meiner Arbeit umsetzen.

Info

Imholz Architektur & Design
Güterbahnhofstrasse 7
9000 St. Gallen

www.imholz.sg

Fotoaufnahmen © ziegelindustrie.ch

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Prof. Dr. Hartwig Stempfle – Bauingenieur

Warum sind Sie Bauingenieur geworden?

Das Schöne und Faszinierende an diesem Beruf ist, dass wir an Projekten arbeiten, welche später jederzeit angeschaut und berührt werden können. Ich hatte als junger Student den Wunsch, ebenfalls so tolle Gebäude und Brücken zu bauen, wie meine Professoren es taten.

Der Beruf an sich ist unglaublich vielfältig. Das Spannungsfeld zwischen theoretischen Berechnungsmodellen und anspruchsvollen Berechnungsmethoden sowie den eher auf Low-Tech basierenden Herstellungsmethoden auf der Baustelle birgt zugleich Freude und Herausforderung. Zudem müssen Modelle und Methoden ständig weiterentwickelt werden. Als Bauingenieur ist man darüber hinaus Teil des gesamten Planungsprozesses und so stellt sich uns regelmässig die schöne Aufgabe, die berechtigten Anliegen der Kolleginnen und Kollegen aus Architektur und Gebäudetechnik in der Lösungsfindung zu integrieren. Letztlich kommt es auf eine gesamtheitliche Lösung an.

Welchen Backsteinbau hätten Sie gerne geplant und warum?

Reine Backsteingebäude werden heute nur noch selten erstellt. In der Regel bestehen die Tragwerke aus einer Kombination von verschiedenen Materialien. In ihrer Kühnheit und Eleganz faszinieren mich die sakralen Kirchenbauten, welche reine Mauerwerkstragwerke sind und Jahrhunderte lang allen Orkanstürmen, Erdbeben usw. widerstanden. Die Tragelemente dieser Bauten sind zum Teil unglaublich schlank ausgebildet. Die Tragstruktur ist klar gegliedert und der Kraftfluss gut ablesbar. Dadurch entsteht auch eine faszinierende architektonische Wirkung. Leider gibt es heutzutage kaum noch jemanden, der solche Bauten in Auftrag geben und finanzieren möchte.

In was für einem Haus möchten Sie wohnen?

Grundsätzlich sollte immer materialgerecht gebaut werden. Jedes Material hat seine Stärken und Schwächen. Es gilt, entsprechend den Materialeigenschaften intelligente Bau- und Tragwerke zu planen und zu bauen. Die Stärken der Backstein- und Lehmbauweise sind die Diffusionsdurchlässigkeit und das damit verbundene gute Wohnklima.

Für meinen Teil wünsche ich mir ein Haus mit einem massvollen Einsatz an Gebäudetechnik. Man muss sich schon die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, ein Haus so zu dämmen, dass der massive Einsatz an Gebäudetechnik wie Lüftungsanlagen etc. notwendig wird. Wäre es nicht bedeutend sinnvoller, hier neue Wege zu gehen? Zum Beispiel kann die Fassadengestaltung dazu beitragen, den Einsatz von Gebäudetechnik auf ein vernünftiges Mass zu begrenzen. In letzter Zeit gibt es bereits einige vielversprechende Ansätze für Fassadensysteme mit Backsteinen.

Was sind die wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Bauprojekt?

Zunächst ein Bauherr, der den gesamten Lebenszyklus des Projektes, dessen Nachhaltigkeit und die daraus entstehenden Kosten im Auge hat und nicht nur die niedrigsten Ersterstellungskosten. Des Weiteren ein gutes Planungsteam aus Architekten, Gebäudetechnikern und Bauingenieuren, welche von Anfang an gemeinsam planen und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Last but not least braucht es ein materialgerechtes Bauen und Planen.

Aus aktuellem Anlass: die neue Software MURUS-P erlaubt die erdbebensichere Bemessung von Mauerwerk. Was sagen Sie als Bauingenieur dazu?

MURUS-P ist eine sehr gute und sinnvolle Weiterentwicklung der bisherigen Software und man ist hier einen guten Schritt vorangekommen. Die Software verfolgt einen pragmatischen Ansatz, der aber mit nichtlinearen Finite-Element-Berechnungsmethoden nicht verglichen werden kann. Diese sind allerdings aufgrund des hohen Aufwandes in der Praxis auch nur sehr selten anzutreffen. MURUS-P wurde fundiert entwickelt und bildet mit der Verfolgung des pragmatischen Ansatzes den jetzigen Stand des Wissens ab. MURUS-P stellt somit im Vergleich zur Vorgängerversion eine Verbesserung bei der Nachweisführung von Mauerwerkstragwerken dar.

Info

ewp AG
Rikonerstrasse 4
8307 Effretikon
www.ewp.ch

Fotoaufnahmen © ziegelindustrie.ch

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Simon Edelmann – Architekt

Warum sind Sie Architekt geworden?

Mein ursprüngliches Interesse galt der Nahtstelle zwischen Ingenieurskunst und künstlerischer Gestaltung. Zudem faszinierte mich die direkte Übersetzung von akademischen Fragen auf die Realität der Baustelle. Die Liebe für Raum und rohe Materialien sowie das Verständnis für Nachhaltigkeit und die gebaute Umwelt als unseren Lebensraum stellten sich erst so richtig im Studium ein. Sie wurden mir dann aber zum eigentlichen Motivator.

Welchen Backsteinbau hätten Sie gerne geplant und warum?

Wenn ich das Material Backstein in den Vordergrund stelle: Eero Saarinens MIT-Kapelle in Boston. Es gibt durchaus viele schöne sakrale Backsteinbauten. Das Besondere an der MIT-Kapelle ist, wie pathetisch es Saarinen gelingt, in Abwesenheit einer Konfession den Backstein selbst zum Protagonisten des Rundbaus zu erheben. Mit zenitalem Licht und indirekten Wasserreflexionen wird der wellenförmig bewegte Backstein in Szene gesetzt. So klingen ungewohnte Facetten dieses altbekannten Baustoffs an.

In was für einem Haus würden Sie gerne wohnen?

In einem stillen Haus. Es ist dort, wo es ist, weil es dort hingehört. Ich bin dort, weil ich dort sein möchte und ein Haus brauche. Ein Haus sollte nicht nach den flüchtigen Launen und Wünschen einer einzelnen Person errichtet werden. Es muss aus seiner Schaffensgeschichte und seinem Ort in sich ruhen. Das umfasst die verwendeten ortstypischen Materialien und die daraus geschaffenen Stimmungen. Es umfasst die Aussenräume – seien sie ländlich oder städtisch – aber auch die Art des Gebrauchswertes. Wo immer ich hingehe, möchte ich so ein Haus finden, das mich verortet.

Was sind die wichtigsten Zutaten für ein gelungenes Bauprojekt?

Eindeutig die daran beteiligten Menschen. Alle müssen an einem Strang ziehen, von der Bauträgerschaft bis zu den Planern, Behörden, Handwerkern und Nutzern. Der einzige Weg, dies zu erreichen, ist durch eine unermüdliche und offene Kommunikation. Nur so kann ein Bedürfnis erkannt, Vertrauen gebildet und Verantwortung von jedem einzelnen Beteiligten wahrgenommen werden. Im Ergebnis führt allein der offene Diskurs zu einem stimmigen grösseren Ganzen

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Architektur?

Gebäude sind ein wichtiges Kulturgut unserer Gesellschaft. Daran gewinnbringend mitzuwirken und gleichzeitig soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen, das ist meine Motivation.

Im aktuellen Diskurs interessieren mich insbesondere materialechte, nachhaltige Konstruktionsmethoden und deren Gestaltungspotential. Nachhaltig heisst in diesem Zusammenhang oft einfach, altbewährt, archaisch. Aber auch das Potential von intelligenten Hybridbauten, welche die Vorzüge unterschiedlicher Konstruktionen gezielt miteinander kombinieren, ist noch lange nicht ausgeschöpft. Hier sehe ich ein vielversprechendes Spielfeld für die nahe Zukunft.

Info

Fischer Architekten AG
Binzstrasse 23
8045 Zürich
www.fischer-architekten.ch

Fotoaufnahmen © ziegelindustrie.ch